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Wie barrierefrei ist Deutschland?

Sozialheld*innen veröffentlichen ersten a11y-Score für Städte und Regionen

28.01.2026
Screenshot der Website „a11y-Score (Beta)“ für Berlin: Panorama der Berliner Skyline mit Fernsehturm und Reichstagskuppel im Hintergrund. Im Vordergrund ein Infokasten mit der Überschrift „Berlin“, dem Hinweis „Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2026“ und einer farbigen Skala, die einen a11y-Score von 24 von 100 Punkten („Okay“) anzeigt.

Die Sozialheld*innen entwickeln mit dem a11y-Score ein digitales Werkzeug, das die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum messbar und vergleichbar macht. Das Projekt wird im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit insgesamt rund einer Million Euro durch das Bundesministerium für Verkehr gefördert.

Mit dem a11y-Score lassen sich erstmals einheitliche Punktwerte für die Barrierefreiheit in Regionen, Städten oder Landkreisen abrufen. Grundlage sind offene Daten aus der OpenStreetMap (OSM), die ausgewertet und zu einem Wert zwischen 0 und 100 zusammengeführt werden. Die Beta-Version zeigt ab sofort die Bewertungen von 16 Bundesländern sowie 418 kreisfreien Städten und Landkreisen.

„a11y“ (gesprochen: „Ellie“) ist in der Tech-Welt eine Kurzform für „accessibility“. Die „11“ ersetzt dabei die elf Buchstaben zwischen dem „a“ und dem „y“.  Der a11y-Score ist also genau nach dem benannt, was er tut: Barrierefreiheit bewerten.

Warum der a11y-Score gebraucht wird

Millionen Menschen stoßen im Alltag auf Barrieren –wie Stufen am Eingang oder fehlende Blindenleitsysteme und behindertengerechte Toiletten. Obwohl Bund, Länder und Kommunen gesetzlich verpflichtet sind, hier Barrierefreiheit herzustellen, sieht man nur sehr langsam Fortschritte. Der demografische Wandel verstärkt das Problem zusätzlich: je älter die Bevölkerung ist, desto mehr Menschen sind im Alltag auf barrierefreie Angebote angewiesen.

Um in Politik  und Verwaltung gute Entscheidungen und effiziente Maßnahmen zu treffen, fehlt es häufig an verlässlichen Daten und dem klaren Überblick: Welche öffentlichen Gebäude sind zugänglich? Wo gibt es Hilfsmittel? Und wo braucht es dringend Verbesserungen? Genau hier setzt der a11y-Score an: Er zeigt, wie gut Regionen beim Thema Barrierefreiheit dastehen und macht Datenlücken und Handlungsfelder sichtbar, die bislang unbekannt waren.

So funktioniert die Auswertung

Der a11y-Score nutzt offene Geo-Daten der OpenStreetMap (OSM), die nach Kategorien wie Verkehr, Gesundheit oder Essen & Trinken strukturiert sind. Jede Kategorie hat Unterkategorien mit klar definierten Kriterien. Diese Kriterien vergeben Punktwerte für Merkmale der Barrierefreiheit – zum Beispiel stufenlose Zugänge, Leitsysteme oder akustische Hinweise.

Aus den einzelnen Punktwerten entsteht zunächst eine Bewertung pro Unterkategorie. Diese Bewertungen werden anschließend zu einem Gesamtpunkt zwischen 0 und 100  für eine Region zusammengerechnet. Der Wert liefert so eine belastbare und vergleichbare Orientierungshilfe für den Stand der Barrierefreiheit (kein Prozentwert).

Damit der Wert realistisch bleibt, wird in der Berechnung berücksichtigt:

  • wie stark unterschiedliche Kriterien die tatsächliche Barrierefreiheit einer Kategorie beeinflussen; sie fließen entsprechend mehr oder weniger stark ein.
  • die vorhandene Datenlage: Kriterien mit wenigen Daten werden niedriger gewichtet.

Die Methodik beruht auf der jahrelangen Erfahrung der Sozialheld*innen. Ihre Expertise ist international anerkannt: Selbst die Vereinten Nationen nutzen regelmäßig Daten des Vereins in ihrem Flagship Report On Disability And Development.

Startpunkt für Verbesserungen

Die Sozialheld*innen verstehen den a11y-Score als Handlungswerkzeug für Verwaltung, Zivilgesellschaft und Politik gleichermaßen:

„Wir machen sichtbar, wo Barrierefreiheit im öffentlichen Raum schon funktioniert – und wo am dringendsten nachgebessert werden muss“, sagt Raúl Krauthausen, Aktivist und Mitgründer der Sozialheld*innen. „Daten können Barrieren nicht selbst abbauen. Aber sie schaffen eine Grundlage, damit Menschen die richtigen Entscheidungen treffen können.“

Die Beta-Version wird laufend weiterentwickelt, z.B. sind weitere Kategorien in Planung. Durch Anpassungen der Kategorien oder im Algorithmus können sich die Punktwerte für Städte und Regionen noch ändern. Feedback von Kommunen, Verbänden und Fachkreisen zur aktuellen Version wird gern geprüft und, wenn möglich, mit aufgenommen.

Mitmachen und Daten stärken

Der a11y-Score basiert auf offenen Daten – und kann deshalb gemeinsam verbessert werden: Kommunen, Organisationen und engagierte Privatpersonen können Daten bereitstellen, Orte ergänzen oder Rückmeldungen geben.

Mehr Informationen unter: beta.a11yscore.org

Über die Sozialheld*innen

Die Sozialheld*innen arbeiten seit über 20 Jahren an Lösungen für mehr Teilhabe und Barrierefreiheit. Als Expert*innen in eigener Sache starten sie politische Kampagnen, entwickeln Apps und Technologien und geben ihr Wissen an Unternehmen und Organisationen weiter. Dafür wurden die Sozialheld*innen unter anderem mit dem Deutschen Engagementpreis, dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und dem Smart Accessibility Award ausgezeichnet. Mehr über den Sozialhelden e.V. erfahren Sie auf www.sozialhelden.de

Über den mFUND des BMV

Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das BMV datenbasierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität der Zukunft. Die Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und durch die Bereitstellung von offenen Daten auf der Mobilithek. Weitere Informationen finden Sie unter www.mFUND.de  und daten.plus.

Logos: gefördert durch Bundesministerium für Verkehr aufgrund eines Beschlusses des Bundestags und mFUND - Das Startkapital für die Mobilität der Zukunft

Pressekontakt
Luise Bruche
Senior Kommunikations- und Communitymanagerin
luise@sozialhelden.de