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Barrierefreiheit ist messbar. Jetzt kommt es auf die Daten an.

Sozialheld*innen schließen mFUND-Projekt a11y-Score ab

02.11.2026
Screenshot des a11y-Scores für rollstuhlgerechte Toiletten in Orten vom Typ Essen und Trinken in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Der Score liegt bei 32 von 100, erfasst sind erst 14 % von rund 2.500 Orten. Im Hintergrund ist die Oberbaumbrücke zu sehen, die Friedrichshain und Kreuzberg verbindet: eine rote Backsteinbrücke mit zwei Türmen, über die eine gelbe U-Bahn fährt.

Mehr als drei Jahre lang haben die Sozialheld*innen daran gearbeitet, eine zentrale Frage zu klären: Wie barrierefrei ist eine Stadt, ein Landkreis, ein Bundesland? Die Antwort darauf liefert der a11y-Score. Das Projekt wurde im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND mit insgesamt rund einer Million Euro durch das Bundesministerium für Verkehr gefördert. Am Montag, dem 26. Oktober 2026, fand die Abschlussveranstaltung zum Projekt statt. Unter den ca. 80 Teilnehmenden waren Vertreter*innen aus Kommunen, Verwaltung, Verbänden und Selbstvertretungsorganisationen.

„a11y" (gesprochen: „Ellie") ist in der Tech-Welt eine Kurzform für „accessibility". Die „11" ersetzt dabei die elf Buchstaben zwischen dem „a" und dem „y".

Was im Projekt entstanden ist

Wer wissen will, wie barrierefrei die eigene Region ist, findet auf a11yscore.org einen Punktwert zwischen 0 und 100 für alle 16 Bundesländer, 418 kreisfreie Städte und Landkreise und auch für Deutschland insgesamt. Der Score kann nach Barrierefreiheitsmerkmal, Ortstyp und Region genauer aufgeschlüsselt werden. Grundlage dafür sind Informationen zur Barrierefreiheit aus der Online-Karte OpenStreetMap (OSM), die von zahlreichen Freiwilligen und Organisationen weltweit gepflegt wird.

Hier einige konkrete Beispiele:

  • Rollstuhlgerechtigkeit von Apotheken in Deutschland: 86 von 100 Punkten. Erfasst sind 22.012 Apotheken. Bei 76 % davon ist bekannt, ob sie rollstuhlgerecht sind. 13.634 Apotheken (62 %) erfüllen diese Anforderung.
  • Taktile Bodenleitsysteme an Orten des öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg: 25 von 100 Punkten. An 1.043 Orten gibt es ein Bodenleitsystem, an 3.158 Orten nicht. Bei 6.091 weiteren Orten fehlt diese Angabe noch.
  • Rollstuhlgerechte Toiletten an Orten vom Typ „Essen & Trinken“ im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg: 32 von 100 Punkten. Erfasst sind 2.468 Orte dieses Typs (z. B. Märkte, Cafés, Bäckereien). Nur bei 14 % davon ist bekannt, ob es eine rollstuhlgerechte Toilette gibt.

Wie der Wert für den Score zustande kommt, ist vollständig transparent: Der Algorithmus steht unter offener Lizenz, die Berechnungslogik ist öffentlich dokumentiert. Zudem sind Rückmeldungen von Behinderten- und Inklusionsbeauftragten, kommunalen Verwaltungen und Selbstvertretungsorganisationen in die Entwicklung eingeflossen. Weil der Score auf weltweit einheitlich strukturierten Daten beruht, lässt er sich auch außerhalb Deutschlands berechnen. Erste Beispiele wie Österreich und die Schweiz sind bereits abrufbar.

Ein Plädoyer für offene Daten

Der a11y-Score kann Barrierefreiheit nur dort verlässlich bewerten, wo diese auch erfasst ist. Zwei Herausforderungen sind dabei im Laufe der Projektarbeit deutlich geworden: Zum einen fehlen Informationen. Während einige Bereiche wie die Mobilität an Bahnsteigen schon gut erfasst sind, fehlen andere bundesweit nahezu komplett, zum Beispiel die Verfügbarkeit von Gebärdensprache oder von Angeboten für neurodivergente Menschen. Zum anderen sind vorhandene Daten häufig nicht nutzbar. Viele Städte und Kommunen erfassen Barrierefreiheit bereits, allerdings überwiegend in individuellen, geschlossenen Systemen. Um Daten überregional vergleichen zu können, müssen sie einheitlich und offen zugänglich sein.

OpenStreetMap ist als weltweit etablierte Open-Data-Karte aus Sicht der Sozialheld*innen die beste Grundlage, um beide Probleme zu lösen. Geo-Daten laufen dort zusammen: Sie werden gemeinsam gepflegt und sind für alle frei nutzbar. Dies dient nicht nur dem a11y-Score, sondern auch anderen aktuellen und künftigen Anwendungen. Sie können auf dieser Basis Barrieren im öffentlichen Raum erfassen, sichtbar machen und gezielt abbauen – und so den Alltag von Menschen mit Behinderungen verbessern. Möglichkeiten zum Beisteuern von Daten gibt es bereits über verschiedene Editoren und Apps zur OpenStreetMap oder auch Wheelmap.org, eine ebenfalls von den Sozialheld*innen entwickelte Karte zu rollstuhlgerechten Orten.

„Was man nicht messen kann, lässt sich schwer verbessern. Der a11y-Score macht Barrierefreiheit erstmals bundesweit vergleichbar. Wir erhoffen uns davon, dass Verantwortliche so leichter ins Handeln kommen." - Holger Dieterich, Geschäftsführer bei den Sozialheld*innen

Wie es weitergeht

Mit dem Projektende wird die Arbeit am a11y-Score nicht eingestellt. Die Auswertung bleibt über a11yscore.org öffentlich zugänglich. Der Algorithmus zur Berechnung der einzelnen Punktwerte kann und soll mit neuen Erkenntnissen und dem Feedback von Menschen mit Behinderungen weiterentwickelt und angepasst werden.

Darüber hinaus ist es wichtig, das Einpflegen von Daten zur Barrierefreiheit in die OpenStreetMap weiter zu fördern. Dabei sehen die Sozialheld*innen drei zentrale Aktionsbereiche:

  1. Einfache Anleitungen und Hilfestellungen für Städte, Kommunen und Ämter entwickeln und bereitstellen, um größere Datenmengen in OSM einzupflegen.
  2. In der bestehenden OSM-Freiwilligen-Community weiter Awareness schaffen und dafür werben, Informationen zur Barrierefreiheit einzupflegen.
  3. Eine zusätzliche niedrigschwellige Lösung für engagierte Privatpersonen schaffen, indem mit der Wheelmap.org künftig auch andere Barrierefreiheitsmerkmale als Rollstuhlgerechtigkeit erfasst werden können und in OSM einfließen

Die aktuellen Möglichkeiten zum Einpflegen von Daten finden Sie unter: https://a11yscore.org

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Über die Sozialheld*innen

Sozialhelden e.V. arbeitet seit über 20 Jahren an Lösungen für mehr Teilhabe und Barrierefreiheit. Mit Expertise in eigener Sache startet der Verein politische Kampagnen, entwickelt Apps und Technologien und gibt sein Wissen an Unternehmen und Organisationen weiter. Dafür wurde er unter anderem mit dem Deutschen Engagementpreis, dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und dem Smart Accessibility Award ausgezeichnet. Mehr über den Sozialhelden e.V. erfahren Sie auf www.sozialhelden.de.

Über den mFUND des BMV

Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das BMV datenbasierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität der Zukunft. Die Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und durch die Bereitstellung von offenen Daten auf der Mobilithek. Weitere Informationen finden Sie unter www.mFUND.de  und daten.plus.

Förderhinweis mit zwei Logos: Bundesministerium für Verkehr – gefördert aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages – und mFUND, Das Startkapital für die Mobilität der Zukunft.

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Pressekontakt
Luise Bruche
Senior Kommunikations- und Communitymanagerin
luise@sozialhelden.de